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„PENTHESILEA“


Projektbeschreibung:

Ein Literaturzirkel trifft sich, um im heimeligen Wohnzimmer gemeinsam Kleists bluttriefendes Drama "Penthesilea" zu lesen. Die Liebesschlacht zwischen Griechen und Amazonen wirkt als Katalysator für unterdrückte Begierden und Aggressionen – es kommt zur sexuellen Orgie und zum Eklat.

"Verflucht das Herz das sich nicht mäßgen kann."

Mitwirkende:

Spiel

Verena Unbehaun / Katja Uffelmann / Sabine Langendorf / Helge Bechert / Andreas Nickl /

Regie

Cornelius Schwalm

Dramaturgie

Sophie Nikolitsch

Bühne

Rebecca Schley

Kostüm

Katharina Casperg

Premiere am Theater unterm Dach : Januar 2012   

ca 20 Vorstellungen Kritiken:

Morgenpost

Großes Spiel auf Berlins kleinen Bühnen

 

Ein letzter Vorsatz für das neue Jahr: öfter ins Theater gehen. Kein Problem in Berlin. Neben großen staatlichen Häusern gibt es unzählige freie Gruppen. Morgenpost hat Vorschläge für sechs gelungene Off-Theater-Abende.

Im Wohnzimmer siedelt die Gruppe Mariakron ihre "Penthesilea" an.

Berlin gilt als Hochburg des Theaters: Neben den großen staatlichen Einrichtungen gibt es in der Stadt zwischen 250 und 300 freie Gruppen, ganz genau weiß das nicht einmal die Senatskulturverwaltung. Denn einige finden sich nur für eine Produktion zusammen, andere haben sich längst etabliert. Mit rund 8,6 Millionen Euro unterstützt das Land Berlin die freie Szene über verschiedene Fördertöpfe, die ein oder andere Million steuert außerdem der Bund über den Hauptstadtkulturfonds bei. Manche Einrichtungen wie das Weddinger Prime Time Theater existieren sogar ohne staatliche Zuschüsse, hätten aber nichts dagegen, wenn sie ein bisschen unterstützt werden würden. Dass das Geld im Off-Bereich grundsätzlich gut angelegt ist, darüber herrscht Konsens in der Stadt. Das sehen auch unsere sechs Kritiker so, die sich einfach mal eine Inszenierung herausgepickt und angeschaut haben.

ZITTY Berlin

Diese "Penthesilea" entsteht aus einem begrenzten Raum, einem stilisierten Wohnzimmer, und macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Voyeur eigener und fremder Abgründe.  Das bildungsbürgerliche Wohnzimmer, das Cornelius Schwalm als Rahmen für seine „Penthesilea“-Inszenierung wählt, könnte auch Yasmina Rezas Erfolgsstück „Gott des Gemetzels“ als Bühnenbild dienen. Nur trifft man sich hier nicht wegen eines realen Vorfalls, sondern um mit verteilten Rollen Kleists bluttriefendes Drama um Liebe, Krieg und Aggression zu lesen. Die zunächst beflissen höfliche Atmosphäre verwandelt sich in winzigen Schritten, die Fassung der Lesenden wankt mehr und mehr, je weiter das Drama sich zuspitzt. Die Liebesschlacht zwischen Griechen und Amazonen wirkt als Katalysator für unterdrückte Begierden und Aggressionen.

Das Schauspieler-Quintett ist sehr gut, beherrscht präzises Timing und ironisches Spiel mit Subtexten. Eine schauspielerische Stilübung, die auch beim Zuschauen Spaß macht.

Zitty Susanne Stern